Francisco Araiza
Weltstar ohne Allüren


Classic Srb

Der Termin mit Francisco Araiza stand anfänglich unter keinem guten Stern: Erst eine Panne, dann war der Aku des Handy leer. Nervenflattern und Schweissperlen beantworteten die unausgesprochene Frage, ob ein Weltstar wohl 20 Minuten auf eine säumige Journalistin warten werde. Ein zaghafter Blick ins Restaurant liess mich staunen und aufatmen: Francisco Araiza genoss gut gelaunt seine Pasta. Kein vorwurfsvolles Auf-die-Uhr-Schielen – Verständnis und Zuvorkommen ebneten den Weg zu einem interessanten und anregenden Gespräch. Weder Show noch Koketterie – beides passt nicht zu Francisco Araizas Naturell.

Eine Haltung, mit der er auf und hinter der Bühne Respekt und Sympathie weckt. Welcher Weltstar der Oper – ausser Francisco Araiza – ist schon bereit, kurzfristig für einen Kollegen einzuspringen? Eigentlich hatte Francisco Araiza ja mit Grossbuchstaben „frei“ in seine Agenda notiert, als 1999 der SOS-Ruf aus Solothurn kam. Ohne Aufheben und ohne im längst gedruckten Programmheft erwähnt zu sein, rettete der Künstler die Maskenball-Aufführung und debütierte spontan am Classic Openair. Araiza: „Dino Arici hatte mich bereits zweimal zu seinem Festival eingeladen, und ich war stets verhindert. Als er mir wegen Riccardo telefonierte, habe ich gleich Ja gesagt.“ Letzten Sommer sang er den Don José und versäumte keine der Proben. Dies, obwohl er in dieser Rolle zu Ralf Weikerts Lieblingsinterpreten zählt und unter seiner Leitung viele „Carmen“-Aufführungen gesungen hat.

Das ist Francisco Araiza: Familienvater, studierter Betriebswirt, Kammersänger der Wiener Staatsoper, Weltstar, der unter legendären Dirigenten wie Karajan, Böhm, Giulini, Kleiber und den Pultgöttern von heute gesungen und mehr als 50 Tonträger aufgenommen hat, 1996 als erster Opernsänger eine Homepage einrichtete, seit 1988 jährlich ein Stipendium gewährt, ein hervorragender Mozart-, Verdi- und Wagner-Sänger – ein bescheidener Mensch ohne Allüren, der mit Intelligenz und Wärme für sich einnimmt.



© Francisco Araiza 1999 – Last Update 20.11.2005